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Ausstellung Matthias Mollner / Black Ferk Studio – Krankheit ist kein Luxus

8. Mai @ 11:00 28. Juni @ 20:00

Eröffnung und Buchpräsentation: 8. Mai 2026, 18 Uhr
KOMM.ST LAB, Hauptplatz 15, 8184 Anger
Ausstellungsdauer: 9. Mai bis 28. Juni 2026
Jeweils von 09.00 – 18.00 Uhr

Eintritt frei!

In der Ausstellung „Krankheit ist kein Luxus“ thematisiert Matthias Mollner die gesellschaftlichen und existenziellen Herausforderungen schwerer, chronischer Krankheiten wie ME/CFS und Long COVID. In seinen Fotografien, Bildcollagen, Objekten und Videos befasst sich der Künstler mit dem Leben von Betroffenen und pflegenden Angehörigen und geht der Frage nach, warum diese Menschen von Seiten des Medizin- und Sozialsystems häufig wenig bis keine Hilfe erhalten.

ME/CFS, das Post-COVID-Syndrom und ihre Begleiterkrankungen haben fatale Auswirkungen auf die betroffenen Individuen wie auch auf die Gesellschaft. Zehntausende erkrankte Menschen alleine in Österreich sind einem teils enormen Leidensdruck ausgesetzt, der manchmal bis hin zum Suizid reicht. Auch Mollners Lebenspartnerin starb 2024 nach mehreren Jahren Bettlägerigkeit mit ME/CFS und Begleiterkrankungen.

Der Künstler blickt in der Ausstellung aus einer persönlichen Perspektive auf das Thema und reflektiert in seinen Arbeiten die Stärken dieser Menschen im täglichen Überlebenskampf mit ihren Krankheiten und im Kampf gegen ein oft inhuman agierendes Gesellschafts- und Sozialsystem.

Im Rahmen der Vernissage findet eine Präsentation von zwei neuen Publikationen zu ME/CFS und Long COVID statt. „Fighters in the Crash Zone“ von Matthias Mollner porträtiert 18 Betroffene und ihre pflegenden Angehörigen in Fotos und Interviews. Monika Pietrzak-Frangers Katalog „Scheinbar genesen. Leben mit Long Covid und das Recht auf Hoffnung“ zeigt Betroffene, die nach einer Covid-Infektion nicht mehr gesund wurden. Im Anschluss an die Präsentation erfolgt ein Publikumsgespräch.

Buchpräsentationen. 8. Mai 2026, 18 Uhr

Matthias Mollner und Monika Pietrzak-Franger

Matthias Mollner

Fighters in the Crash Zone

ME/CFS und komplexe chronische Krankheiten:
Die Lebensrealität von Betroffenen und ihren (pflegenden) Angehörigen

Über zwei Jahre hinweg porträtierte der Künstler Matthias Mollner Menschen, die an der schweren Multisystemerkrankung ME/CFS und weiteren komplexen chronischen Krankheiten leiden. Gemeinsam mit seiner schwerstkranken und 2024 verstorbenen Lebenspartnerin entstand die Idee zu diesem Buch. Es rückt diejenigen ins Zentrum, die durch ihr Schicksal allzu oft aus der Gesellschaft verschwinden und nicht mehr wahrgenommen werden.

„Fighters in the Crash Zone“ gibt in ungeschönt intimen Fotos und Interviews Einblick in die herausfordernden und oft extremen Lebensrealitäten von 18 Betroffenen und ihren pflegenden Angehörigen. Das Buch zeigt eine häufig unverstandene, da für Außenstehende meist unsichtbare Welt, in der jeder Tag zur Überlebensfrage werden kann und in der Menschen mit ihrer wenigen zur Verfügung stehenden Energie um Gesundheit, Unterstützung, Anerkennung und Würde kämpfen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Publikation liegt auf dem Umgang der Betroffenen mit ihrer Erkrankung. Die (Über-)lebensstrategien der Menschen werden dabei ebenso sichtbar gemacht wie ihre Träume, Wünsche und Stärken.

Zusätzlich zu den Betroffenen-Porträts analysieren neun Autor:innen in ihren Texten den problematischen Umgang des Medizin- und Sozialsystems, der Gesellschaft und der Politik mit ME/CFS und multisystemischen chronischen Erkrankungen.

Über den Autor:

Matthias Mollner, geboren 1984 in Gmünd (Niederösterreich), ist bildender Künstler, Kurator und Aktivist. Mollner beschäftigte sich bereits früh mit Performance und Körper und untersucht in seinem Werk die ambivalente Beziehung des Menschen zu Umwelt und „Natur“ und die Schattenseiten menschlicher Existenz. Mit dem Black Ferk Studio, gegründet 2021 gemeinsam mit seiner Partnerin Judith Schoßböck († 2024), erforscht er die Themen chronische Krankheit, Behinderung und Tod, und im Besonderen die körperliche und gesellschaftspolitische Dimension schwerer multisystemischer und / oder komplexer Erkrankungen wie ME/CFS. Sein multimediales Werk umfasst Skulpturen, Installationen, Performances, Fotografien, Bilder und Videos.

Monika Pietrzak-Franger

Scheinbar genesen

Leben mit Long Covid und das Recht auf Hoffnung

Die Auswirkungen von Long Covid bleiben trotz offizieller „Pandemiebeendigung“ weltweit spürbar. Dabei stellen sich weiterhin Fragen nach den individuellen, sozialen und politischen Dimensionen dieser Krankheit. Long Covid steht exemplarisch für eine wachsende Zahl chronischer, oft unsichtbarer Erkrankungen, die Betroffene in eine prekäre Lage zwischen medizinischer Unsicherheit, sozialer Stigmatisierung und institutioneller Überforderung bringen. Auf der Grundlage von Interviews und gemeinsam erarbeitetem Fotomaterial mit Betroffenen in Österreich beleuchten die Beiträge des Bandes den Alltag mit Long Covid. Sie verknüpfen kulturwissenschaftliche Analyse mit künstlerischer Dokumentation und bieten gleichzeitig intime und differenzierte Einblicke in das Leben der Patient:innen. So können aus ihrer Perspektive dominante Krankheitsnarrative kritisiert und strukturelle Lücken in Gesundheits- und Sozialsystemen aufgedeckt werden. Darüber hinaus fordert der Band eine zukunftsgerichtete Vision für soziale und medizinische Infrastrukturen, um den Herausforderungen chronischer Erkrankungen im 21. Jahrhundert zu begegnen.

Über die Autorin:

Monika Pietrzak-Franger ist Autorin, Kuratorin und Professorin für Britische Kultur und Literatur an der Universität Wien. Zuvor lehrte und forschte sie u. a. in Hamburg, St. Louis, Sydney, New York und Stellenbosch. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Medical / Health Humanities, in transkulturellen Praktiken von Gesundheit und Krankheit sowie in visueller Kultur. Zu ihren Publikationen zählen „Scheinbar genesen: Leben mit Long Covid und das Recht auf Hoffnung“ (transcript, 2025), „Long Covid as a Collective Experience: A Photo Essay“ (https://journal-revisit.org/jr/article/view/72/49), „Literature and Medicine“ (CUP, 2025) sowie „Medical Humanities in Transition“ (BMJ).

Hauptplatz 15,
Anger,8184Österreich
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